dera®-Moderations-Blog: Daniela

Ein Ziel, eine Karre und viel Mist!

Ausmisten ist bei uns gerade DAS Thema. Als junge, noch unverbrauchte Flughafengesellschaft versuchen wir, das Unternehmen von der Pike auf neu zu strukturieren. Das schließt auch das gehörige Ausmisten nicht aus. Es hat sich viel angesammelt über die Jahre, lag doch das Wegschmeißen nicht unbedingt in der Priorität ganz oben. Da gab es durchaus dringendere Probleme zu lösen. Nichtsdestotrotz: Ausmisten befreit ungemein. Es macht einfach Spaß, so einen Prozess mitzumachen, denn die Resultate sind einfach schöööööön!

Aufgeräumte Archive, saubere Büros, freie Regalflächen, nicht überquellende Ordner. Das macht einfach Laune und Lust auf neue Ideen und gibt Schwung im Arbeitsleben, denn die tägliche Arbeit wird einfach ungemein erleichtert. Ein Griff, schon ist der richtige Ordner da, ohne dass er erstmal runter fällt, weil er viel zu voll ist. Ease your life!

Was das alles mit Moderation zu tun hat?

Naja, auf den ersten Blick nicht allzu viel. Auf den zweiten und dritten aber schon. Als Moderatorin mache ich mir auch Gedanken über das Wesentliche eines Gruppenprozesses:

  • Ich setze mir ein Ziel,
  • strukturiere mich und den Ablauf,
  • verwerfe wieder etwas, was keine Priorität hat oder keinen Sinn (mehr) macht und
  • optimiere zwischen Rahmen (z.B. verfügbare Zeit) und Inhalt (Themen).

Kurzum: Moderation fängt weit vorher an als erst im Workshop. Mit einer guten Vorbereitung nämlich und gutem Konzept. In der Vorbereitung mit dem Auftraggeber streiche ich dann wieder raus, was nur aufhält und nicht zum Ergebnis führt.

Im übertragenen Sinn mache ich das zur Zeit auch:

  • Ich reflektiere mich und gebe meiner Archivierung ein Ziel und eine Struktur. Der anschließende Gruppenprozess zur Entscheidung findet in mir drin statt:
  • Ich moderiere mich und freue mich als Teilnehmer später dann über ein aufgeräumtes und übersichtlicheres Büro.
  • Und dann spreche ich mit Kollegen über das Ergebnis und – Schwups entsteht eine Dynamik und damit auch wieder ein kleiner Gruppenprozess.

So gesehen moderiere ich mich jeden Tag ein kleines bisschen selbst: momentan beim Projekt „Ausmisten“.

Daniela Stricker, März 2017

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dera®-Moderations-Blog: Daniela

Unverhofft kommt oft – auch in der Moderation. Zumindest gefühlt.

Bei meinem Arbeitgeber ist bzw. war Unstetigkeit eher an der Tagesordnung und so gab es (mal wieder) einen Betriebsübergang mit vielen verschiedenen beteiligten Parteien und Gremien. Da gab es einiges zu regeln, die neu gegründete Gesellschaft musste in alle Rechte und Pflichten einsteigen. Und das am besten gestern. Derzeit noch in Elternzeit half ich dafür Mitte Juni eine Woche lang aus und fühlte mich durch mein dera-Training gut gerüstet für diese turbulente Woche.

Obwohl dies keine Workshopmoderation war, fühlte ich mich doch sehr an viele der Moderationstugenden erinnert, z.B.

– aktives Zuhören (z.B. bei Personen mit Dialekt, bei zu viel Fachchinesisch)
– vermitteln (z.B. bei Dreiecksverträgen)
– manchmal den Gang hochschalten (z.B. bei trägen Behördenvertretern)
– manchmal ruhig bleiben und laufen lassen (Kollegen, die zuarbeiten)

Alles eben dosiert und mit Fingerspitzengefühl. Obwohl wir gar nicht in einer „klassischen“ Moderation waren, ging es natürlich trotzdem indirekt darum, denn

auch hier waren Gruppenprozesse zu steuern oder besser gesagt: Kleingruppenprozesse bzw. Kleinstgruppenprozesse (die kleinste Gruppe ist das Paar!).

Immer dann, wenn ich z.B. mit Behörden telefonierte und darauf drang, dass gewisse Genehmigungen auf die neue Gesellschaft umgeschrieben werden sollten. Oder wenn einer der gefühlt „100 Verträge“ zwischen verschiedenen Parteien rechtzeitig umgeschrieben werden sollte. Alles mit Deadline und alles natürlich nur vormittags von 10 bis 12 Uhr (naja, etwas übertrieben).

Aber letztlich ging es darum, eine breite Trägerschaft bei allen Aktionen herzustellen. Wahrscheinlich nicht nur in unserem Betriebsübergang, sondern informell sowieso im beruflichen Alltag. Und genau dafür ist Moderationsqualifikation doch nun mal da. Ob nun inkognito oder auf Bestellung, ob gewollt oder nicht. Unverhofft kommt eben oft. Und da ist es gut, wenn ich mein Handwerkszeug dabei habe…

Daniela Stricker, Juli 2016

dera®-Moderations-Blog: Daniela

dera®-Alumni-Treffen in Bremen Februar 2016

„Oh, schon Februar. Ganz schön schnell vergangen die Zeit“, dachte ich mir, als das letzte dera-Alumni-Treffen anstand. Bremen ist ja auch nicht eben um die Ecke, jedenfalls für mich nicht. Aber ich freute mich trotzdem, war es doch neben alten Bekannten für mich eine schöne Möglichkeit, mal einen Tag außerhalb der Familie zu verbringen. Also gab ich meine Kids auf dem Weg im südlichen Hamburger Randgebiet bei meiner Schwester ab (mein Mann arbeitet oft am Wochenende). Ja, und dann hatte ich während der zwei Stunden Fahrzeit viel Muße, um mich innerlich auf den Tag einzulassen. Die Vorfreude stieg. Pünktlich war ich auch. Kinder machten keine Probleme. Was für ein Start 🙂

Wir trafen uns alle bei Gerd und Birgit in ihren Büroräumen. Kompliment, wirklich sehr schön gelegen, direkt an der Schlachte mit Blick aufs ‚fließende’ Weserwasser. Da kann man loslassen und auch die Gedanken fließen lassen. Kaffee war da, ein gelungener Start. Schon mal eine klasse Vorbereitung. Ich bin aber auch leicht zu ködern 🙂  Danke an Gerd und Birgit.

Conny hatte die inhaltliche Gestaltung und Moderation übernommen. Darauf freute ich mich auch, denn ich hatte sie noch nicht in der Moderationsrolle erlebt. Kurze Abfrage, wie wir uns fühlten. Alles ok. Sehr gut. Aber ich hätte auch gern noch mehr zu meinen Erwartungen und Befindlichkeiten erzählt.

Erst einmal ging es um den Erfahrungsaustausch. Birgit erzählte von ihren Moderationen in verschiedenen Pfarreien des Bistums Münster. Hier ging (und geht es weiterhin) um die Optimierung der Pfarrsekretariate. Wahnsinn, das was Birgit erzählt, klingt einfach toll. Eine „harte Moderationsschule“, mit vielen verschiedenen und teilweise unwilligen Teilnehmern. Aber danach ist man erstmal fit 🙂

Als inhaltlichen Schwerpunkt hatte sich Conny für das Thema „Moderation von Großgruppen“ entschieden. Dazu bereiteten wir als Kleingruppen verschiedene Arten der Großgruppenmoderation vor: Open Space, RTSC (Real Time Strategic Change), World Café.

Guter Input, aber für mich etwas zu theoretisch. Mir persönlich geht es bei unseren Alumni-Treffen mehr um Erfahrungsaustausch, die persönliche Ansprache und konkrete Vor- oder Nachbereitung einer Moderation eines Mitgliedes. Aber ich glaube insgesamt kam dieser Punkt überwiegend gut an. Der Rest verlief wie geplant, wir hatten einen leckeren Imbiss und viel Zeit zum Netzwerken. Leider konnte ich nicht am Restaurantbesuch abends teilnehmen. Schade. Vielleicht nächstes Mal. Auch meine Rückfahrt war sehr kurzweilig. Ich hatte auf der Autofahrt viel Zeit, mir meinen nächsten Blog-Beitrag zu überlegen. Sehr genial. Kids abholen, im Auto eingeschlafen. In Lübeck angekommen, hatte mein Beitrag im Kopf Gestalt angenommen.

Ich habe nun die Möglichkeit, inhaltlich und moderationsmäßig das nächste dera-Alumni-Treffen im September vorzubereiten. Markus Henke übernimmt die Organisation und ist Gastgeber. Ich freue mich schon auf dieses Treffen! Und ich denke, ich werde am Anfang mehr Zeit zum Ankommen und Raum für Persönliches lassen. Auch wenn es banal klingt, ich glaube, man fühlt sich dann mehr wertgeschätzt – und dera sagt dies ja auch!

Mal sehen wie mein Ansatz ankommt. Wie ich neulich gelernt habe, heißt FAIL ja auch nicht mehr versagen sondern „First Attempt in Learning“. Also, think positive…

Daniela Stricker, April 2016

dera®-Moderations-Blog: Daniela

Der Umgang mit verschiedenen Typen will gelernt sein!
(Und ist oft eine grenznahe Herausforderung…)

Ich hatte schon geahnt, dass man im Familienalltag allerlei fürs Leben lernt. Dieser Eindruck verstärkte sich jüngst jedoch noch bei mir. Und so kommt mein aktueller Blogbeitrag zum Thema Moderation wieder aus dem Alltag mit 2 Jungs und einem Mann.

Ich frage meinen Sohn beim Abholen aus dem Kindergarten oft, was er denn heute so gemacht habe. „Nichts Mama“. Aha. Weiter frage ich ihn, was es denn z.B. zum Mittagessen gab. „Weiß nicht“. Und auf die Frage, ob er denn mit jemanden gespielt habe, sagt er dann oft „nö“. Spätestens nach der dritten Frage habe ich es auch kapiert; er will einfach jetzt nicht reden. Lasse ich ihm jedoch etwas Zeit in meiner „Kleingruppe“ auf dem Nachhauseweg und sprechen wir erstmal über etwas anderes, sprudelt es danach manchmal nur so aus ihm heraus. Gut, mein Sohn ist kein Teilnehmer an einer meiner Moderationen, aber der Umgang mit verschiedenen Typen gilt auch hier.

Denn manchmal muss man bestimmten Teilnehmern in Gruppenprozessen auch genug Raum lassen, um sich öffnen zu können.

Eventuell mal eine Pause machen, über etwas anderes mit anderen reden. Vielleicht mit einem anderen Teilnehmer fragend weitermachen. Auf einmal könnte es dann doch sprudeln…
 Ganz anders mein zweiter Sohn. Er kann zwar noch nicht reden, aber viel besser nonverbal kommunizieren. Er teilt sich jetzt schon viel mehr mit als sein großer Bruder. Hier springen mir sozusagen seine Gefühle und Gemütszustände förmlich entgegen. Hier brauche ich nicht so viel Geduld und muss auch nicht fragen.

Unterschiedliche Charaktere verlangen von mir als Moderatorin natürlich auch unterschiedliches Umgehen bzw. verschiedene Interventionen. Gut, dass ich das jetzt auch bewusst in der Familie trainieren kann,

denn Geduld und der Umgang mit unterschiedlichen Typen ist in der Moderation wichtig. Mal sehen, wie es sich entwickelt, wenn ich dann den Kleinen irgendwann vom Kindergarten abholen werde.

Mein Mann ist dann noch ein ganz anderer Typ, das ganze Gegenteil. Hier brauche ich auch wieder viiiiel Geduld und deutliche Rollenbetonung damit ich auch zu Wort kommen kann. Denn entgegen allen Erwartungen und ganz geschlechteruntypisch redet er einfach ständig ohne Punkt und Komma. Das ist für jeden Moderator eine Herausforderung!

 Daniela Stricker, Januar 2016

dera®-Moderations-Blog: Daniela

„VERKRÄFTUNG“ holen

„Mama, da brauchen wir Verkräftung„, sagte mein großer Sohn (gerade 4) neulich ganz aufgeregt zu mir und bezog sich damit auf einen Unfall mit seinen Spielzeugautos, der gerade vor ihm auf dem Boden passierte. Feuerwehr und Polizei bräuchten unbedingt Verkräftung.

Mehr Kräfte brauchen nicht nur die Einsatzkräfte in unserem Kinderzimmer sondern ganz einfach mehr Kraft brauchen wir auch oft bei unseren Moderationen. Denn wenn wir gute 80% Vorbereitung gewährleisten wollen, dann sollten wir uns auf jeden Fall alle Hilfe, Hilfe zur Selbsthilfe = Unterstützung oder eben Kräfte holen, die wir bekommen können. Und damit meine ich nicht einen Blick ins dera-Handbuch, obwohl das natürlich auch hilfreich ist. (Die Einsatzmittel müssen schon stimmen :-)).

Ich meine damit, dass wir uns Hilfe aus unserem Netzwerk holen können und uns einfach eine oder mehrere zweite Meinungen einholen. Mehr Kräfte, die helfen, den Moderationseinsatz vorher zu spiegeln und mit hilfreichen Tipps aufwarten können. Das kostet natürlich Zeit und Aufwand, d.h. der „Tatort“ Moderation wird komplexer, schlägt sich aber meistens in und nach der Moderation in einem besseren Ergebnis, sprich: Erfolg, nieder.

Dass wir viele verschiedene Kräfte in unserem Netzwerk haben, sollten wir uns öfter mal bewusst machen und nutzen. Angefangen z.B. bei einem simplen Meinungsaustausch über das Thema und den Inhalt für eine Moderation. Ich hätte z.B. gut daran getan, mir vorher sagen zu lassen, dass mein Thema für einen Vormittag deutlich zu viel war. Oder mal mit jemanden auf die nicht optimalen Rahmenbedingungen schauen. Außenstehende sind ja manchmal mit ihrem anderen Blickwinkel sehr hilfreich.

Dann kann es nämlich mit Blaulicht losgehen mit der Moderation des Gruppenprozesses, mit so viel „Verkräftung“ bekommen wir das dann locker hin! Die Vorbereitung bringt’s!

Daniela Stricker, November 2015

dera®-Moderations-Blog: Daniela

WENIGER ist MEHR und MEHR ist (fast immer) ZU VIEL

oder: mein erstes eigenes ModerationserlebnisFlieger_4c

WENIGER ist MEHR, das haben wir oft im dera-Training gehört. Das sagte oft der Bernd und irgendwie erinnerte ich mich sogar daran. Hinterher. Denn da reflektiert man seine Moderation meistens. Ich hatte das Glück, das mit Euch auf dem zweiten dera-Alumni-Treffen bei Knut am Flughafen zu tun (August 2015). Und Bernd sagte wieder WENIGER ist MEHR. Da dachte ich mir plötzlich, dass sich das wie ein roter Faden durch meine Erstmoderation im Februar 2013 mit dem Team der Bodenverkehrsdienste zog.

WENIGER ist MEHR – vor allem bei der Zielsetzung. Das Ergebnis wird besser bzw. bekommt deutlich mehr Trägerschaft aus der Gruppe, wenn die Zielsetzung entschlackt wird. Wir hatten Problemidentifizierung und Erarbeitung eines Maßnahmenplans für einen Vormittag geplant. Oops. Hinterher war auch mir das klar, dass das zu viel war. Also: Besser den Auftraggeber vorher beraten, dass in diesem Fall WENIGER MEHR ist.

WENIGER ist ebenfalls MEHR – bei der Moderation. Das hatte ich berücksichtigt. Laufen lassen. Nicht hochschalten sondern schön niedrig fahren. Das war mit dem Team nicht schwer, Stoff war genug da und irgendwie folgte alles wie von Zauberhand auch dem Tagesplan. Eingreifen war fast nie nötig, nur manchmal auf die Zeit achten bzw. alle mit einbinden. WENIGER ist MEHR – in diesem Falle mehr Gruppendynamik. Das ging auf.

WENIGER ist nochmals MEHR – bei der Teilnehmeranzahl. Daran erinnerte ich mich bei der Moderationsplanung, vor dem eigentlichen Termin. Ich besprach das mit meinem Auftraggeber, der mir zustimmte. Daher versuchten wir von vorneherein wenige Teilnehmer aus verschiedenen Schichten zu benennen, die dann aber auch diesen Vormittag tatkräftig nutzen würden. WENIGER ist in diesem Fall MEHR Raum für die anderen. Und für MEHR Ergebnis.

Aber wir wären nicht hier und schon gar nicht bei dera, wenn es nicht die Ausnahme gäbe, die die Regel bestätigt. WENIGER ist nämlich nie MEHR bei der Vorbereitung. Die berühmten 80% schafften mein Auftraggeber und ich – denke ich – in diesem Fall schon. Daher wurde es auch ein schöner gelungener Vormittag ohne allzu viel Improvisation. Hier ist WENIGER nie MEHR und nie ZUVIEL.

In diesem Sinne wünsche ich Euch, dass MEHR Praxiserfahrung in Euren vielfältigen Moderationen Euch MEHR Spaß bringt und euch WEITER wachsen lässt. Mit MEHR Praxiserfahrung braucht Ihr bestimmt FAST NIE zu intervenieren… naja so zumindest die Theorie. Im wahren Leben sind da natürlich noch die Teilnehmer, die Gruppendynamik, die Familie, die in Konkurrenz zu einer guten Vorbereitung steht und und und… Willkommen im wahren Leben. Das kann natürlich NIE GENUG sein.

Daniela Stricker, September 2015